taz Köln Nr. 7392 vom 25.6.2004, Seite 4

Kunstmagazin überholt die Zeit 

"Überholen ohne einzuholen" - diese unfreiwillig satirische Politparole Erich Honeckers darf nicht fehlen, wenn sich die aktuelle Ausgabe, es ist die Nr. 12, des schrägen Kölner Kulturmagazins "Stillstand" dem Thema Überholen widmet. Wer wen warum überholt, ist die zentrale Frage: Der Rückschritt den eigenen Standpunkt? Die Innovation den Fortschritt? Der Bär die Rolltreppe - oder umgekehrt? Und warum lassen sich US-Tanks beim Einmarsch in Bagdad von einheimischen Autos links überholen?

Auf 36 DIN A 5-Seiten, gediegen gestaltet, bietet das Heft ein Gemisch aus Bildern und Texten über Kunst und Gesellschaft, gespickt mit vielen kleinen Widerhaken. Das reicht vom DaDa-nahen Blödsinn bis zur ernsthaften Sinnsuche, die sich an der aktuellen Politik reibt. Hans-Jörg Tauchert (einer der Herausgeber) sinniert über die Gewalt, die Frieden ermöglicht. Inge Broska berichtet von der Vernichtung des Dorfes Otzenrath durch die Braunkohlebagger, und R.J. Kirsch legt malerisch einen Mercedes der A-Klasse aufs Dach. Das zu lesen und anzugucken ist rundum Vergnügen.

Vor 13 Jahren erschien der erste "Stillstand", damals noch als "Stauzeitung": gewidmet all denen, die irgendwo im Stau stehen und dies genießen. Schließlich hat der Mensch nirgends sonst so viel Zeit zur Verfügung, um ungestört und kreativ nachzudenken. Und, so die Überzeugung der Macher, es soll sogar Menschen geben, die deshalb ganz gezielt Staus aufzusuchen. In den folgenden Nummern - sie erscheinen immer, wenn genügend Beiträge vorliegen - wurde sich am Stau abgearbeitet, den man sogar bis in den Weltraum verfolgte. Spätere Themenschwerpunkte waren "Gewalt" und "Ernährung".

Zum "Stammpersonal" des Magazins gehören neben den schon genannten unter anderem Jürgen Raap, Boris Nieslony, Parzival, Enno Stahl, Rolf Persch und Beate Ronig: Fast alle sind Künstler, Schriftsteller, Kunstkritiker und -theoretiker aus dem Umfeld der legendären Ultimate-Akademie. Nicht unbedingt die "Promis" der Kölner Szene, aber bekannt allemal und oft witziger, intelligenter und konsequenter als die gefeierten Größen: Ohne sie wäre Köln keine Kunst- und Kulturstadt.
Jürgen Schön
 

"Der Stillstand": Auflage 500 Exemplare

Die Homepage des Stillstands erreichen Sie unter http://www.derstillstand.de

Auf einer extra produzierten CD kann man alle bisher erschienenen Ausgaben erwerben.

http://www.ultimate-akademie.net
info@ultimate-akade

Kölner Stadtanzeiger, 24.3.2000

Das Magazin "Der Stillstand" und 
der Stau


Autofahrern, die auch zu Hause nicht das Stau-Erlebnis missen wollen, bietet die Ultimate Akademie einen besonderen Service: den virtuellen Stau am heimischen Bildschirm. Im Angebot sind nicht nur unterschiedliche Landschaften, sondern auch eine Vielzahl von Autotypen, zwischen die er sich "einreihen" kann. Dieser "Stau-Streckeneditor" ist zu finden in der neuen Nr.8 des Kunstmagazins "Der Stillstand" , mit dem sich die Ultimate Akademie in der Öffentlichkeit zurückmeldet. Hauptthema ist neben dem Stau das liebe Geld. 



Präsentation des Stillstand Nr.8 in der Galerie 68elf

Dazu Gedichte von Enno Stahl und Beate Ronig, Philosophisches von Hans-Jörg Tauchert und Zynisches von Boris Nieslony und Parzival. "Der Stillstand": ein kleines, aber feines "Kunst"-Magazin, das zumGlück immer nur dann erscheint, wenn seine Autoren etwas zusagenhaben.Erhältlich ist es unter anderem in der Galerie 68elf. Die ist im Ubrigen seit ein paar Tagen größer geworden: Zu den Räumen im Souterrain kam ein 40 Quadratmeter großes Zimmer im Hochparterre. Mit einem kleinen Performance-Festival (dabei: Inge Broska, Petra Deus und Holunda) wurde die Erweiterung eingeweiht. "Höhepunkt" der Feier: Ein Überfall von vier maskierten Männern und einer Frau. Nachdem das Quintett die Taschen einiger Besucher kontrolliert hatte: befreiendes Gelächter - es war eine Performance der Ehrenfelder Gruppe "Kunstraum Core" um Heinz Bleser.

(Galerie 68elf, Bismarckstr. 68, Di-Fr 14-18, Sa 11-14). (j. h.)